Rettet die Insekten! - Bericht

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Vortrag und Debatte zum Thema Insektensterben: Mehr als 120 Besucher erlebten einen spannenden Abend in der Rathauskantine

(23.4.2018 - Maliers/ Helms). Unter der Überschrift „ Rettet die Bienen“ hatten Stadt, BUND, Greenpeace, NABU und NaturFreunde für den 16.4. zu Vortrag und Debatte geladen. Die mehr als 120 Besucher in der sehr vollen Rathauskantine machten deutlich: Das Thema Insektenschutz brennt den Buchholzerinnen und Buchholzern unter den Nägeln. Kein Wunder.

„Weltweit sterben täglich mehr als 100 Arten aus, Pflanzen und Tiere. Auf Dauer hat das gravierende Folgen für das ganze Ökosystem! ", warnt Herbert Maliers von der Buchholzer Greenpeace Gruppe. „Denn wenn die Bienen und Insekten sterben, verschwinden auch die Pflanzen, die von ihnen bestäubt werden, und die Vögel, die sich von Insekten ernähren“. Die ganze Nahrungskette sei betroffen. „So etwas hören wir immer mal wieder in den Nachrichten. Aber es bewegt uns kaum, denn diese Information ist viel zu abstrakt und geht im Strom der täglichen Katastrophenmeldungen unter“, stellt Maliers fest.

Anders jüngst beim Vortrag von Sabine Wolansky. Nach der Begrüßung durch Stadtbaurat Niemöller entführte die Holm-Seppenserin ihre Vortragsgäste anhand beeindruckender Makroaufnahmen in die Lebenswelt von Honig- und Wildbienen. Sie zeigte einen Ausschnitt aus der Vielfalt der Arten (allein in Deutschland gibt es mehr als 500 Wildbienenarten) von denen sich einige auf ganz bestimmte Wildblumenarten als Nahrungsquelle spezialisiert haben. Auch der Humor kam nicht zu kurz. Den belegten Bilder wie etwa das einer schlaftrunkenen Hummel in einer Blüte, eines mit einem von mehreren männlichen Verehrern bedrängten Wildbienenweibchen oder einer Honigbiene, die eine Kollegin aus dem Wasser zog.

Im zweiten Vortragsteil ging Wolansky auf den dramatischen Insektenschwund (70 Prozent Rückgang in 20 Jahren) und dessen Ursachen ein. Dazu zählten das verschwinden ihrer Lebensräume (Ackerränder, Hecken, Brachflächen) und ihrer pflanzlichen Nahrungsgrundlagen, zum Beispiel der Wildblumen. Auf intensiv genutzten Ackerflächen mit ihren Monokulturen finde man weder Mohn-, Korn- oder andere Wildblumen. Sie würden als so genannte Unkräuter mit Pflanzenbekämpfungsmitteln (wie etwa Glyphosat) weg gespritzt. Und die ausgebrachten Schädlingsbekämpfungsmittel (zum Beispiel Neonicotinoide) schadeten ebenso massiv den Nützlingen.

„Wenn es Bienen und Wildbienen nicht mehr gibt, wer übernimmt dann eigentlich die Bestäubung im Obst- und Gemüseanbau?“, fragte Wolansky. Und zeigte ein Foto aus einer Region in China, in der inzwischen die Menschen in Handarbeit die einzelnen Blüten bepinseln müssen. Darüber hinaus lande ein großer Teil der Gifte im Ackerboden und schädige dort die Mikroorganismen und damit die Bodenfruchtbarkeit, oder werde durch Auswaschung in Gewässern oder ins Grundwasser eingetragen. Letztlich fänden sich Spuren auch in unseren Nahrungsmitteln und in unserem Körper. Beispielsweise sei Glyphosat in vielen Biersorten sowie im menschlichen Urin nachgewiesen worden.

Abschließend appellierte Wolansky, an die Zuhörer, dass sich die Einstellung der Menschen zu diesem Thema verändern müsse. Die große Politik sei hier genauso gefragt wie jeder Einzelne, der beispielsweise auf seinem Balkon oder in seinem Garten durch geeignete Pflanzen eine kleine Oase für Bienen und Insekten schaffen könne.

Mit dem trotz seiner knapp 80 Minuten Länge sehr kurzweiligen Vortrag war der Abend noch nicht zu Ende. Im Anschluss berichtete die Imkerin Bärbel Schmidt über ein Projekt, das sie gemeinsam mit Alex Miemczyk in Holm-Seppensen initiiert hat: Mit Unterstützung der Stadt werden an mehreren Stellen der Ortschaft Wildblumenwiesen angelegt, um so Oasen für Bienen und Insekten zu schaffen. Durchaus eine Anregung auch für andere Ortsteile der Stadt. Schließlich stellten mit Marte Beran und Friederike Herrmann zwei Schülerinnen des Gymnasiums am Kattenberge ein Projekt vor, bei dem sie untersuchen wollen, ob und wie in der Stadt aufgestellte Insektenhotels von den Tieren angenommen werden. Eine anregende Diskussion schloss sich an. Bilanz eines Besuchers: „Das war ein Augen öffnender, relevanter und anrührender Abend.“